Geburtserlebnis von Eva

Als mir meine Frauenärztin in der 7. Schwangerschaftswoche den gutgemeinten Tipp gab: „Übrigens, wenn Sie eine individuelle Hebammenbetreuung für die Geburt wollen, sollten Sie sich am besten sofort eine Beleghebamme suchen…“, fiel ich aus allen Wolken. Da war ich gerade mal mit dem Frisch-Schwanger-Sein beschäftigt, das Kind kaum in Zentimetern zu messen und mein Bauch passte noch in jede Jeans – und schon sollte ich mich darum kümmern, wie und mit wessen Hilfe unser Kind in noch endlos erscheinender Zeit zur Welt kommen sollte?

Das Thema „Krankenhaus“ war für mich von je her ein rotes Tuch, so dass ich mit meinen Gedanken recht schnell bei möglichen Entbindungs-Alternativen war. In meiner Suche nach Orientierung rief ich beim Hebammennetzwerk an, wo sich am anderen Ende der Leitung Nitya meldete. Dies sollte sich als großer Glückstreffer herausstellen! Bereits bei diesem ersten Kontakt bestärkte sie mich in meiner Tendenz: Schon damals hatte ich die Ahnung, dass ich für eine gute Geburt vor allem eine vertraute und ungestörte Atmosphäre brauche. Mein Grundgefühl war, dass ich – wenn man mich nur lässt – genug eigene Kraft in mir entwickeln würde, mein Kind gesund auf die Welt zu bringen.

So galt meine Suche nach dem richtigen Entbindungsort in erster Linie der Ausschaltung von möglichen Störeinflüssen, Entmündigungen und Bevormundungen. In einem persönlichen Gespräch mit Nitya entstand dann das Szenario „Hausgeburt“, an das ich zwar bis dahin nicht gedacht hatte, das mich und meinen Mann Bert aber sofort begeisterte. Zuhause, in vertrauter Atmosphäre, mit der Unterstützung von Menschen, die ich kenne gebären zu können, war genau das, was ich mir gewünscht hatte. Auch die ‚Chemie’ zwischen Nitya und mir stimmte sofort, so dass ich sicher war, in ihr die Person gefunden zu haben, die mich auf diesem Weg stärken und auch fachlich kompetent begleiten würde.Genauso habe ich die von da an stattfindenden Treffen mit Nitya während meiner Schwangerschaft dann auch erlebt: Nach jedem Kontakt fühlte ich mich durch ihre gelassene Zuversicht bestärkt, wuchs mein Vertrauen darin, für mich und das wachsende Leben in mir die richtigen Entscheidungen fällen und meiner Intuition vertrauen zu können. Abgesehen von drei Ultraschalluntersuchungen habe ich daher auch die gesamte Vorsorge bei Nitya gemacht, denn die Schwangerschaft verlief absolut komplikationslos. Stolz auf den wachsenden Bauch habe ich so die neun Monate durchweg genießen können. Im Januar nahmen Bert und ich außerdem gemeinsam am Aqua-Balancing-Kurs unter Nityas Leitung teil. Dies war besonders wertvoll, um auch den Kontakt zwischen Bert und Nitya zu intensivieren; bei uns als Paar haben die intensiven Erlebnisse im Wasser damals vieles aufgewühlt und uns sehr ‚aufgeweicht’ für intensive Auseinandersetzungen rund um’s Eltern-Werden.

Vier Wochen vor dem errechneten Termin wurde ich zur Verkürzung der Eröffnungsphase zusätzlich von Nitya akkupunktiert – in dieser Zeit war immer viel Raum für Fragen rund um die nahende Geburt. Leider verabschiedete sich Nitya jedes Mal augenzwinkernd mit der gleichen Prognose: „Dir geht’s noch viel zu gut, du kriegst dein Kind noch nicht, das braucht noch…“, was man natürlich als ungeduldige Hochschwangere in brütender 30°C-Hitze nicht wirklich gerne hört.

So kam es dann auch, dass sich unser Sohn Henri noch eine Woche länger als erwartet Zeit ließ. Erste Überlegungen von Nitya, es bei noch längerer Übertragung bald mal mit einem Rizinuscocktail zu versuchen, scheinen ihn angespornt zu haben, so dass er sich dann am 4. Juni nachts um halb zwei mit einem Blasensprung von selber auf den Weg macht: Ich erwache in einer Fruchtwasserpfütze. Aufgeregt und unendlich erleichtert verkünde ich Bert mit einem Strahlen, dass es jetzt nun wohl losgehen werde. Meine Bemerkung, er könne aber ruhig noch ein wenig schlafen, setzt er sofort gelassen in die Tat um. Mir gelingt dies leider nicht mehr. Die gegen drei Uhr einsetzenden ersten leichten Wehen würden zwar ein Nickerchen noch erlauben, ich bin jedoch zu aufgeregt, um wirklich Schlaf finden zu können. Wunderbar entlastend finde ich in dem Moment, nirgendwohin aufbrechen zu müssen, sondern in Ruhe zu Hause abwarten zu können, wie sich die Geburt entwickelt – keine Hektik, keine Autofahrt, keine fremden Gesichter. Alles was ich zu tun habe ist, mich auf das Kommende einzulassen…Als die Wehen in den frühen Morgenstunden regelmäßig in Fünf-Minuten-Abständen kommen, rufen wir Nitya an. Prompt werden wir vom ‚Vorführeffekt’ überrumpelt: kaum Wehentätigkeit während des Telefonates. Nitya schlägt vor, erst noch mal einen ausgiebigen Spaziergang durch Sülz zu machen, um die Wehen zu locken und will gegen halb 10 dann bei uns vorbeischauen. Dieser Spaziergang muss auf Beobachter sicher etwas skurril wirken: Eine wild watschelnde Hochschwangere, die sich alle paar Minuten tief atmend an den Partner hängt und in der übrigen Zeit überprüft, ob sie vielleicht Leck schlägt (unglaublich, wie viel Fruchtwasser aus einem herauslaufen kann!) – uns und der Wehentätigkeit tut es jedenfalls gut. Als Nitya zur vereinbarten Zeit eintrifft, sind die Wehen stärker geworden und nicht mehr so einfach ‚wegzuhexen’. Das CTG zeigt, dass es dem Baby nach wie vor gut geht. Ich habe das Gefühl, dass die Geburt gut anläuft und bin damit beschäftigt auszuprobieren, in welcher Position ich die Wehen am leichtesten veratmen kann: aufrecht bzw. im Gehen durch unsere Wohnung fällt es mir wesentlich leichter als im Liegen. Nach einem kurzen Blick durch unser Schlafzimmer stellt Nitya fest, dass sie dort dringend eine Ablage braucht, auf der sie das Kind nach der Geburt untersuchen und versorgen kann; unsere im Kinderzimmer aufgebaute Wickelkommode lässt sie nicht gelten – zu weit weg. So kommt es, dass sich Bert während meiner Wehen noch als Möbelpacker betätigen darf und unseren Schreibtisch kurzerhand ins Schlafzimmer hievt. Bis dann alle für die Hausgeburt vorbereiteten und rausgelegten Utensilien endlich an Ort und Stelle sind, bin ich doch etwas genervt und froh, als diese organisatorische Hektik zu Ende ist.Da abzusehen ist, dass die Geburt noch dauern wird und der Muttermund zwar weich, aber erst zwei cm geöffnet ist, verabschiedet sich Nitya noch einmal, um andere Hausbesuche zu machen, will aber um 13 Uhr zurück sein. Die Stunden vergehen wie im Flug und dank der guten Unterstützung von Bert, der mich immer wieder auffordert, tief in den Bauch zu atmen, seine Hand auf meinen Bauch hält und als zuversichtlicher Kraftspender an meiner Seite ist, kann ich die Wehen auch gut ertragen. Gerade die Unterbrechung der Wehen durch die Wehenpausen empfinde ich als sehr entlastend: so kann ich mich immer darauf verlassen, dass die Wehe irgendwann aufhört, ich mich entspannen und neue Kräfte sammeln kann.

Außerdem will ich endlich in die Tat umsetzen, was ich mir bei dem Gedanken an meine Entbindung oft vorgestellt habe: in die Badewanne steigen! Bereits während der Schwangerschaft habe ich – nicht zuletzt durch das Aquabalancing – Wasser als sehr entspannend und lockernd erlebt und sehne mich nun unter der Geburt auch nach diesem Effekt. Als Nitya wieder da ist und mir am frühen Nachmittag gegen halb drei nach einem weiteren guten CTG das OK gibt, in die Wanne zu steigen, bin ich sehr erleichtert, denn allmählich finde ich die Wehen doch sehr heftig. Viel schlimmer, so finde ich, dürfte es jetzt nicht mehr werden….

Der Ausflug in die Badewanne erweist sich dafür als gutes Gegenmittel: die Intensität der Wehen nimmt zwar noch zu, insgesamt empfinde ich sie jedoch runder und weniger aggressiv.

Von diesem Zeitpunkt bis zur Geburt von Henri dauert es noch gut 2,5 Stunden – wie sie verstrichen sind, weiß ich heute nicht mehr, ich war wie im Tunnel und habe kaum etwas wahrgenommen. Erinnern kann ich mich nur noch an einzelne Blitzlichter: Nityas zuversichtliches, ruhiges Gesicht jenseits des Wannenrands, einzelne sehr schmerzhafte Wehen in der Übergangsphase, und irgendwann die erlösende Botschaft: jetzt darfst du pressen! Ich bin erleichtert: endlich kann ich aktiv etwas tun, um mein Baby auf die Welt zu bringen! Nitya macht mir den Vorschlag, mich zu hocken: schon sind die Schmerzen erträglicher als vorher, zumal Nitya mir durch sanften Druck mit den Fingern zeigt, wo ich hinpressen soll und der eifrig mitfiebernde Bert mir immer wieder kraftvolle und ermutigende Blicke schenkt. Als Nitya ihn dann schickt, um Handtücher vorzuwärmen, wird uns beiden auf einmal klar, dass es bald so weit ist. Ich kann genau spüren wie sich der kleine Kopf Stückchen für Stückchen ans Licht arbeitet, mit jeder Wehe ein bisschen mehr, in den Pausen wieder etwas zurück, wie um zu verschnaufen und erneut Anlauf zu nehmen… Wie nahe Henri unserer Welt schon ist, kann ich fühlen als Nitya mich auffordert, mit den Fingern nach dem Köpfchen zu tasten. Ein einmaliges Gefühl, das mir Kraft für den Endspurt gibt! „Press, Eva, du hast genug Platz!“, feuert Nitya mich gegen kurz vor fünf Uhr an, „Das Köpfchen ist schon zu sehen!“ In diesem Moment bleibt mir nur noch eines: vertrauen. Vertrauen darauf, dass Nitya Recht hat und das Baby durchpasst, dass ich mich weiten und es durchlassen kann. Und so vertraue ich…gebe mich hin…presse…. erschaudere, denn ich spüre: mit dieser Wehe wird es ernst…gehe noch ein Stück weiter als vorher…und dann: ein großer Druck, ein schneidendes Brennen, das Köpfchen ist draußen, der Rest gleitet fast unmerklich hinterher.

Mitten auf dem Höhepunkt der Enge und Dramatik mit einem Mal Stille. Schmerzfreie Weite. Geöffnet und bereit für das Wunder, das in diesem Moment aus dem Wasser in meine Arme gleitet: Henri ist geboren. Die Welt hält den Atem an, wir vier sind gefangen im Zauber dieses heiligen Moments.

„Ich bin da“ verkündet Henri mit einem kurzen Schrei, um mich gleich darauf zum ersten Mal mit großen Kulleraugen anzublicken. Die friedliche Ruhe und Achtsamkeit, die uns in diesem Moment umhüllt, bleibt.

Sie bleibt, während wir als kleine Karavane vom Bad ins Schlafzimmer wandern, sie bleibt während Henris erster Trinkversuche an meiner Brust. Sie bleibt in meiner Freude darüber, unverletzt geblieben zu sein, bleibt, als Bert die auspulsierte Nabelschnur durchschneidet und Nitya unseren Sohn behutsam untersucht und misst.

Sie umhüllt unser Glück in dieser ersten Nacht zu dritt und ist geblieben bis heute. Die Geburt in einer so friedlichen, achtsamen und intimen Atmosphäre erlebt zu haben, ist eine wundervolle Erfahrung für Bert und mich. Für Henri ist sie der beste Start ins Leben, den wir ihm wünschen können.

Eva, Bert und Henri

Geburtserlebnis von Britt

Ich hatte mich sehr früh dazu entschlossen, zu Hause im Wasser zu entbinden. Über das Internet habe ich Nitya gefunden und mit ihr und meinem Partner einen Termin zum gegenseitigen Kennenlernen ausgemacht. Wir entschieden uns recht schnell, dass wir 3 zusammen unser Kind auf die Welt bringen wollen.

Bis auf 2 Ultraschalluntersuchungen fand von dem Zeitpunkt ab auch die gesamte Vorsorge durch Nitya statt, die dazu oft zu mir nach Hause kam. Ich fühlte mich von Anfang an sehr persönlich und kompetent betreut.

Außerdem haben wir den Aquabalancing-Kurs bei Nitya besucht und ca. 4 Wochen vor dem errechneten Geburtstermin habe ich mich auch noch von ihr akupunktieren lassen, um die Eröffnungsphase unter der Geburt zu verkürzen. Ich kann nur sagen, dass es voll durchgeschlagen hat!! Da ich hochschwanger im Sommer war, konnte sie auch einige Nadeln gegen die Wassereinlagerungen an den verschiedenen Stellen im Körper setzen, was auch sehr erleichternd war.

Einen Tag vor dem errechneten Termin war es dann soweit. Die Eröffnungswehen waren sofort so stark, dass ich gleich zu Anfang in die Badewanne gestiegen bin. Zwischendurch kletterte ich noch einmal raus, um zu testen, ob die Wehen an Land’ besser zu ertragen wären, aber vor allem die Phasen zwischen den einzelnen Wehen waren im Wasser sehr viel entspannender, so kletterte ich also wieder in die Wanne.Auf Grund der meines Empfindens nach zu starken Schmerzen war ich dann bald drauf und dran aufzugeben. Nitya ermunterte mich aber mit genau den richtigen Worten und zusammen mit meinem Partner spornten mich die beiden an, weiterzumachen. Die Preßphase habe ich besonders intensiv mit Nitya erlebt, durch sehr geübte Griffe und ihre große Erfahrung ermunterte sie mich, die Position zu verändern, sie sagte mir, wie ich besser atmen könne, um aus der Atmung weitere Kraft zum Schieben zu schöpfen und sie leitete mich genau bei den Presswehen an. Tja, und dann plumpste unser Eric nach 6,5 Stunden ins Wasser. Ich blieb noch eine Weile mit ihm im Wasser, bevor wir ins Bett wechselten. Danach lief alles mit einer ruhigen, vertrauensvollen Routine ab: Nachgeburt, Abnabelung, nähen des Dammrisses und die Versorgung/Untersuchung von Eric und zum Schluß tranken wir –aufgekratzt wie wir waren – zusammen noch ein Glas Champagner.

In den 10 Tagen der Nachsorge war Nitya wieder unentbehrlich. 1000 gute Tips und Kniffe, wie wir mit unserem kleinen Sohn besser zurecht kommen können, seine Gelbsucht bekämpfen, ohne Geschrei zu wickeln, die erste Brustentzündung überstehen etc., für all das wußte Nitya immer den richtigen Rat.

Wir haben uns von Nitya über die ganzen Monate hinweg ausgesprochen gut beraten und unterstützt gefühlt und sollte Eric noch ein Geschwisterchen bekommen, dann steht für uns ganz klar fest, wem wir uns wieder anvertrauen werden.

Britt

Geburtserlebnis von Katharina

Die letzten Wochen der Schwangerschaft waren ziemlich aufregend und anstrengend. Unser Kind sollte Ende Juli geboren werden, also mitten in den Sommerferien, in denen Moritz und Karola (Stephans Kinder aus erster Ehe) 3 Wochen bei uns sein würden. Moritz ist 11, Karola 5 und unser gemeinsamer Sohn Matthias jetzt 3 Jahre alt. Es waren meine letzten 3 Wochen vor der Geburt und aus der bisherigen Erfahrung wusste ich, dass der Alltag mit 3 anstatt 1 Kind sehr kräftezehrend ist, zumal wenn Schule und Kindergarten geschlossen sind. Also überlegten wir, dass es vielleicht das Beste sei, wenn Stephan mit allen 3 Kindern alleine in Urlaub fahren würde, nicht so weit, nur in den Hunsrück, so dass er ggf. schnell zurück kommen könnte. Ich hätte dann meine Ruhe und könnte nochmals richtig auftanken.

Kehrseite war aber auch, dass ich alleine war, mächtige Angst vor Gewittern hatte, die Unruhe immer größer wurde und ich mir verlassen vorkam … Also fuhr ich für ein paar Tage auch in den Hunsrück, um meine Lieben zu besuchen.

Nitya, bei der ich fast alle Vorsorgeuntersuchungen gemacht habe und die wir ja auch schon von Matthias Geburt her kannten, unterstützte und versorgte mich die ganze Schwangerschaft über, aber besonders in den letzten Wochen mit energiegeladenen Tipps, Akupunktur, der nötigen Zuversicht und einer riesigen Portion Humor, die mir die schwere Zeit wirklich erleichterten.

Die Tage im Hunsrück waren wunderschön, wir haben einen zwar sehr kurzen, aber schönen und innigen Familienurlaub gehabt und mir fiel es schwer, wieder zu fahren. Andererseits freute ich mich nun wieder auf die Ruhe zuhause.

Matthias fuhr mit nach Hause und meine Mutter kam, um uns zu helfen. Sie sollte auch bei der Geburt dabei sein.
Freitags sollten die anderen nach Hause kommen, Moritz und Karola würden wieder zu ihrer Mutter fahren und dann könnte ich in Ruhe unser Kind bekommen. Aber Mittwochs abends merkte ich ein leichtes Ziehen. Ich dachte an Darmkrämpfe oder Übungswehen, ging in die Badewanne, was wirklich gut tat und das Ziehen hörte auf. Ich ging schlafen. Um zwei Uhr wurde ich aber wach und war mir sicher, das sind Wehen. Aber sie waren leicht und gut auszuhalten. Ich wartete, überlegte, was zu tun sei. Um 4 Uhr rief ich Stephan an, die Wehen kamen alle 8-10 Minuten. Dann rief ich auch Nitya an, obwohl mir klar war, dass sie noch nichts tun konnte. Ich wollte nur hören, dass es richtig war, Stephan kommen zu lassen. Das hörte ich dann auch.

Um 7 Uhr war Stephan bei mir, die Kinder bei ihrer Mutter. Wir frühstückten, die Wehen ließen etwas nach, die Pausen wurden größer. Matthias ging wie gewohnt in den Kindergarten und wir legten uns hin, um noch etwas Schlaf nachzuholen. Die Wehen wurden immer weniger, aber ich war so aufgedreht und unruhig, ich konnte nicht schlafen. Also standen wir wieder auf, bereiteten noch die letzten Dinge im Baby- und Schlafzimmer vor. Um 11 Uhr waren die Wehen komplett weg. Ich rief wieder Nitya an, um Entwarnung zu geben. Nitya meinte nur, ‚Na, dann haben die Wehen ja ihren Zweck erfüllt, Dein Liebster ist ja wieder da!“

Wir gingen spazieren und ich war so froh, nicht im Krankenhaus zu sein, wo ich wahrscheinlich wieder weggeschickt worden wäre oder an den Wehentropf. Ich konnte ohne Probleme laufen, die Wehen kamen nicht wieder. Dann legten wir uns beide wieder ins Bett und siehe da: die Wehen kamen wieder. Wir kuschelten uns aneinander und ich hatte das Gefühl, erst jetzt ist Stephan wieder bei mir. Die Wehen wurden heftiger. Um ca. 14.15 Uhr ging ich in die Badewanne und als wir auf die Uhr guckten, hatte ich schon alle 5 Minuten Wehen. Auch konnte ich ganz leicht schon selbst das Köpfchen fühlen. Stephan rief Nitya an, es war kurz vor 3. Um viertel nach 3 war Nitya da, untersuchte mich und meinte, das Baby kommt gleich! Tja und dann ging alles so schnell. Meine Mutter konnte kaum Handtücher im Backofen vorwärmen und Kaffee kochen, da war Philipp auch schon da. Als Nitya kam, flaxten wir noch, ich weiß nicht mehr worüber, wohl noch, dass ich in den Wehenpausen guter Laune war und mich freute, dass es jetzt doch los ging. Das Flaxen war dann aber schnell vorbei, weil die Wehenpausen immer kürzer, die Wehen dafür immer heftiger wurden. Ich wollte aus der Badewanne raus, es war mir zu heiß, es tat außerdem alles sau weh. Ich hatte Angst, dass ich kollabiere. Die Fruchtblase platzte. Nitya ließ kaltes Wasser dazu und machte Vorschläge, wie ich mich anders hinlegen könnte. Stephan massierte mich, hielt meinen Rücken und tupfte mir die Stirn ab.

Meine Mutter holte Handtücher und hielt auch noch mein Bein fest. Ja, und dann kamen schon die Presswehen, die so verdammt weh taten, dass ich dachte: Ich will das nicht, das halte ich nicht lange aus. Aus Angst, dass mich der Schmerz völlig im Griff haben und mich verrückt machen könnte, schob ich dagegen an, ich wollte diejenige sein, die bestimmt. Ich kann gar nicht mehr erklären, was das war, aber im Nachhinein fast sowas wie ein Machtkampf: Schmerzen gegen meine Kraft. Ich atmete tief in den Bauch und je weher es tat, umso heftiger schob ich mit, fast so, als ob ich immer noch einen drauf setzen wollte. Dann hörte ich meine Mutter schon sagen, „da ist das Köpfchen, ganz viele schwarze Haare‘. Dann merkte ich, als die Wehe aufhörte, dass das Köpfchen zurückrutschte und ich fast wütend wurde. Ich wollte dieses Spielchen nicht. Nicht hin und her, sondern raussss! Also noch einmal und Philipp rutschte tatsächlich raus und … schwamm auf meinen Bauch. Ich konnte es nicht fassen, dass sollte es gewesen sein. Es war 15. 45h. Da hielt ich dieses kleine Wesen auf meinem Bauch fest, drückte die Beine an mich und er quakte entspannt. Philipp war schneeweiß von der Käseschmiere, hatte aber knallrote Lippen. Wahnsinn! Stephan heulte, meine Mutter heulte, selbst Nitya hatte Tränen in den Augen und ich war erleichtert, gelöst, geschafft, wir hatten es geschafft. Ich hatte gewonnen!

Mein Sohn war so einfach und natürlich geboren worden, es war ein Glücksmoment, den man eigentlich nicht zu fassen kriegt. Ich weiß nicht, wie ich das beschreiben soll. Ich klammerte mich so an mein Kind, wollte es gar nicht loslassen, mich nicht mehr bewegen, den Moment festhalten, das Glück der Welt umarmen. Ein Wunder, das da auf meinem Bauch lag und um mich herum die Badespielsachen von Matthias und meine Liebsten.
Stephan nabelte den Kleinen ab. Ich dachte, ich bade in rotem Blutwasser, aber was mich wunderte, das Badewasser war genau so klar wie vorher. Schließlich ließen wir das Wasser ab, ich hockte mich in die Wanne, schob noch einmal ein wenig, aber eher zog Nitya die Plazenta an der Nabelschnur heraus. Jetzt ging ich mit der Hilfe der anderen in unser Bett und da lag ich dann mit Philipp auf dem Bauch, während die anderen Champagner tranken. Dann untersuchte Nitya den Kleinen und zog ihn an. Elisabeth, unsere Leihoma, hatte Matthias vom Kindergarten abgeholt und war mit ihm noch bei den Ziegen gewesen. Jetzt kamen sie nach Hause und alles war in Butter. Wir folgten Nityas Vorschlag und meine Mutter ging mit Philipp in einen anderen Raum, so dass Matthias erst zu uns ins Bett kam, er war sichtlich irritiert, merkte, dass hier was Großes passiert war. Dann brachte meine Mutter Philipp dazu, und Matthias konnte ihn in Empfang nehmen.
Insgesamt finde ich auch jetzt im Nachhinein, es war wirklich eine Bilderbuchgeburt. Ich danke Nitya sehr dafür und bin stolz auf mich und meine Familie.

Geburtserlebnis von Rosi

…heute bist Du einen Tag alt, kleiner Junge…gestern an einem Sonntag im November haben wir Dich geboren, an einem ruhigen Nachmittag, nach unserem Spaziergang im Wald.

Morgens gegen 6:30 h bin ich wach geworden. Ich war guter Stimmung und wußte sofort, dass Du nun geboren wirst, worauf ich sehr gespannt war. Bei mir macht sich dieses glückliche Gefühl der nahen Ankunft breit und ich fühle mich ganz aktiv. Jogi und Yolanda kaufen Brötchen, ich stehe zum allerletzten Male mit diesem großen, strammen Bauch unter der Dusche und fühle dieses Kind in mir, noch zappelst Du dort vor Dich hin und wieder und wieder stelle ich mir vor, was für ein Kind Du wohl sein wirst, welches Leben Dich erwartet und welchen Weg Du gehen wirst. Ich weiß, dass Du in den nächsten Stunden meinem Körper entweichen wirst, in dem ich Dich in den letzten Monaten so stolz herumgetragen habe.

Bei unserem letzten Familienfrühstück zu dritt an diesem Morgen fühle ich mich Dir näher als Jogi und Yolanda – es fühlt sich so an, als würden wir bald gemeinsam abtauchen auf diese Reise Geburt, die wir mit unseren Kräften durchstehen werden. Ich freue mich sehr darauf. Wir rufen Antje und Nitya an und beginnen gemeinsam mit Yolanda die letzten Vorbereitungen für diesen „heiligen Akt“. Und indem wir Handtücher auf Heizungen plazieren, Folien über unser Bett ziehen und die frische Geburtswäsche aus dem Schrank holen, wird deutlich, dass diese Reise für uns alle begonnen hat.

Antje bringt Yolanda zu Opa und Oma und dieser Abschied von ihr ist heute noch melancholischer und bedeutungsschwerer, es ist dieser Abschied von der Kleinfamilie, in der wir uns in den vergangenen 1 1/2 Jahren so sehr beheimatet haben und in der wir alle einen glücklichen Platz hatten.

Meine Wehen kommen regelmäßig, aber nicht allzu heftig und so entschließen wir uns noch zu einem kleinen Spaziergang in den Wald. Ich erinnere mich gut, wie sehr die Wehen damals bei Yolanda dadurch angetrieben wurden und auch diesmal erlebe ich diesen Spaziergang wie einen aktiven Auftakt zum finalen Part.

Mein kugelrunder Bauch unter meiner Jacke ist mir in den vergangenen Monaten so vertraut geworden, das Gewicht, mein veränderter Gang. Jede Woche unterwegs erinnert mich freudig an diesen baldigen Abschied und trägt meine Gefühle nahe an dieses Kind heran. Die Luft ist sauber und sonnig und ganz bewußt will ich mir die Stimmung dieses Tages vergegenwärtigen – alles wird morgen anders sein!Nach unserem Spaziergang wird alles ganz eindeutig; der Muttermund ist ca.8 cm eröffnet und die Geburtsgesellschaft wird dann geschäftig.Nitya öffnet ihren Koffer, bereitet Sachen vor, die sie für die Ankunft braucht, fragt nach warmen Tüchern und Lampe. Antje und Jogi rollen Folie auf der Erde aus, legen Tücher darauf, ich beobachte dies alles auf meinem Bett hockend und fühle mich gut aufgehoben… alle sorgen sich und so umgibt mich dieses Gefühl bei dieser bevorstehenden Kraftanstrengung, nicht alleine sein zu müssen, sondern Begleitung zu haben und bestimmte Dinge einfach abgeben zu können.

Es ist dieses Gefühl von totaler Kraft tief in mir drin und nie sonst fühle ich mich so lebendig und aktiv, es ist dieser Raum zwischen Himmel und Hölle, der sonst verschlossen ist und den ich nun betreten kann. Eine Welle von Kraft überflutet mich – der Kopf tritt heraus, ich bin überrascht, dass alles schon so schnell geht.

Ich verändere meine Position, um unser Kind auf die Welt zu schieben und die letzten Presswehen sind fast schon lustvoll und leidenschaftlich, ich halte Antjes Hand, spüre Jogis Wärme an meiner Seite, Nityas Nähe, die mir viel Sicherheit gibt und mit einem befreienden Schwall schlüpft der Junge heraus, plumpst wie ein Fisch auf Land, zappelt und brabbelt und alles ist still und heilig.Da liegt dieses Wesen vor uns, noch eingehüllt und umschlungen von der Zeit zuvor.

Klein, weich und zusammengefaltet. Ein Meer voller Gefühle, Eindrücke und Bilder umschlingt mich und fast traue ich mich nicht, Dich hochzunehmen, so unglaublich scheint mir Deine Anwesenheit. Ein ruhiger Fluß entspringt, wir begrüßen Dich, berühren Dich und uns, wortlos von diesem kleinen Wunder.

Lange spüre ich Deine Wärme auf mir, die pulsierende Nabelschnur. Alles ist gut, denn wir haben es vollbracht – ewige Zuversicht scheint sich in mir breit zu machen und dieses Leben und diese Welt hält für einen Bruchteil den Atem an.

Rosi

Geburtserlebnis von Petra

Ich heiße Petra und mein Mann und ich haben drei Kinder. Alle sind zu hause geboren und zwar mit der liebevollen Unterstützung von Nitya. Alle Geburten habe ich als sehr intensiv, kraftvoll und schmerzhaft in Erinnerung.

Erzählen möchte ich von der letzten, weil sie mir noch am klarsten und schönsten in Erinnerung ist. Nachdem die Fruchtblase geplatzt war, duschte ich und rief dann Nitya an. Nach dem Anruf fühlte ich mich vollkommen ruhig, ohne Angst und ich genoss die nächtliche Ruhe vor dem Sturm. Leise ging ich durch alle Zimmer mit dem Wissen, dass in ein paar Stunden alles anders wird. Dann begann ich mit den Vorbereitungen. Legte Musik auf, zündete Kerzen an und Räucherstäbchen an, kontrollierte, ob alle Sachen bereit standen, die auf Nityas Hausgeburtsliste vermerkt waren und schwelgte in Vorfreude. Ich hielt mir die Hände auf den Bauch um Zwiesprache mit dem Baby zu halten. Ich erzählte ihm, wie sehr wir uns freuten und dass die nächsten Stunden nicht einfach werden würden. Es sollte keinen Schreck bekommen, wenn plötzlich alles in Bewegung gerät und wenn es die Wärme und schützende Hülle verlassen müsse. Wir werden dich herzlich empfangen und willkommen heißen. Als um 3.45 die ersten Wehen einsetzten, weckte ich meinen Mann und rief die Oma an, um sie zu bitten, unsere Kinder, die mittlerweile wach geworden waren, abzuholen. Als Nitya mich das erste Mal untersuchte war ich schon heftig am atmen. Die Herztöne waren klar und deutlich und der Muttermund hatte ich schon gut geweitet.Mittlerweile lag ich mit dem Oberkörper über unserem Lederhocker und atmete mit der nächsten Wehe, die ziemlich schmerzhaft und intensiv war. Im Hintergrund hörte ich immer wieder Nityas beruhigende Worte: „Du machst das sehr gut, weiter so! “ Mein liebster Mann bot mir eine Massage an, die ich dankbar annahm. Die Abstände zu den Wehen wurden immer kürzer. Trotz der großen Anstrengung und Konzentration konnte ich zwischendurch ab und zu auch an unser Baby denken und versuchte ihm Mut zu machen und bat es kräftig mitzuhelfen.

Nach ca.2 Std. schlug Nitya vor, die Lage zu wechseln; sie meinte, eine aufrechte Position würde mich beim Mitschieben unterstützen. Ich hatte keine besondere Lust auf einen Stellungswechsel, vor allem, weil ich wußte wie schmerzhaft das war, aber der Drang oder die Hoffnung auf ein schnelleres Ende trieb mich dann doch in die Hocke.

Es war der Wahnsinn, ich dachte ich zerreisse. Ich schrie: „Ich kann nicht mehr, es tut so weh! “ Darauf Nitya : “ Du schaffst es, der Kopf, er kommt. Schieb noch einmal mit, gut so, ja, weiter so, noch ein Stück.“ Mir kam es endlos vor, aber nach der 3.Presswehe um 6.28 rutschten die Schultern durch und das Kind flutschte heraus. Ich zitterte am ganzen Körper vor Anstrengung, Erleichterung, Glück -einfach unbeschreiblich dieser Moment!

Ich weinte, bebte, umfaßte die Hände meines Mannes, war nur noch glücklich dieses nasse, verschmierte, wunderschöne „Bündel“ zu sehen und zu spüren. Ich musste es immer wieder streicheln und küssen.

Ich zitterte immer noch- es war wirklich überwältigend. Nach einer Pause, nachdem das Baby warm verpackt an meiner Brust lag und wir uns alle eine Tasse Tee gönnten, erzählten wir noch einmal die vergangenen Stunden. Es herrschte eine sehr friedliche, fast heilige Stimmung und ich fühlte eine große Dankbarkeit für das Erlebte.
Petra

Geburtserlebnis von Heike

Wie Simon (11 J.) und Mathis (10 J.) sollte auch mein drittes Kind zu Hause zur Welt kommen. Deshalb haben wir auch schon früh den Kontakt zu Nitya, der Hebamme aufgenommen. Sie hat uns auch nochmals in unserem Wunsch bestärkt und beruhigt, als mein Frauenarzt im Januar meinte, dass er Bedenken hätte, weil das Kind laut Ultraschall sehr groß und schwer wäre, 2 Wochen in der Entwicklung voraus. Die beiden Jungs sind je 5 Tage vor dem errechneten Termin geboren, also rechneten wir mit diesem Baby auch früher. Errechnet war der 8. März, wir wußten aber noch nicht, ob es ein Mädchen oder ein Junge ist, weil es sich im Ultraschall nie zu erkennen gab.

Dieser Termin verstrich, das Kind lag zwar mit dem Kopf nach unten, aber legte das Köpfchen so quer auf, dass es nicht in das Becken eintreten, also sich nicht senken konnte. Langsam wuchs meine Sorge: Wird es zu groß, wird es nicht eintreten und ein Kaiserschnitt notwendig sein, wann muß die Geburt eingeleitet werden? Nitya vermittelte bei all dem Ruhe, abwarten.Der Mittwoch war also verstrichen, am Freitag gingen wir noch mal ins Konradbad, wo wir unseren Aquabalancing Kurs gemacht hatten, in der Hoffnung dort im Warmwasserbecken etwas zu bewegen.

Am Montag (13.März) kam Nitya zu uns, um mit den Fingern meinen Muttermund etwas zu weiten. Wieder nichts. Am Dienstag schlug sie mir eine „Rizinus-Kur“ vor. Um 16:00 trank ich den ersten Teil und ruhte dann eine Stunde. Nach dem zweiten Teil massierte mich Lutz, der inzwischen nach Hause gekommen war, eine Stunde lang. Um 18:00 trank ich den dritten Teil und bewegte mich dann eine Stunde lang. Das Rizinus hatte ganz klar eine sehr stark abführende Wirkung, nicht unangenehm, aber sonst war nicht klar, ob mehr geschah.

Simon und Mathis waren da, wir hatten eigentlich geplant, dass sie, wenn die Geburt absehbar anstand, zu meinem ersten Mann Markus gehen sollten. Jetzt war das unklar, sie wollten auch bleiben und wir überlegten mit Ihnen, was auf sie zukommen könnte: wenn sie durch mein Stöhnen nachts aufwachen sollten, Walkman hören; wenn morgens noch die Geburt im Gange wäre, alleine frühstücken; evtl. könnte auch ein Zettel daliegen, wenn wir doch ins Krankenhaus müßten. So war das ok für sie, auch für uns.

Als die Kinder im Bett waren, sahen wir uns ein Video an, dabei spürte ich regelmäßige Kontraktionen, aber ich war nicht sicher, ob das Geburtswehen wären. Ich atmete bei den Wehen mit, sie waren ganz erträglich. Nach einer Stunde, so gegen 0:30 Uhr wurden die Wehen wieder schwächer und die Zeiträume länger. Wir waren enttäuscht (war wohl nichts) und gingen ins Bett. Noch beim Umziehen bekam ich eine heftigere Wehe, ich mußte mich abstützen. Wir legten uns trotzdem hin. Die Wehen wurden immer stärker und schmerzhafter, aber mit längeren Pausen dazwischen, in denen ich fast einschlief. Lutz dämmerte auch, er hatte bisher noch nicht an den Erfolg des Rizinus glauben können, obwohl ich da viel zuversichtlicher war.

Um 2:00 riefen wir Nitya an, die kurze Zeit später kam und mich im Wohnzimmer untersuchte. Der Muttermund war gut 5 cm geöffnet, die Herztöne des Kindes gut.An der Geschwindigkeit, mit der sie alles aufbaute, merkte ich, dass sie damit rechnete, dass die Geburt nun sehr schnell verlaufen könnte. Ich wollte dann doch ins Schlafzimmer, wegen der Kinder, und vorher noch aufs Klo. Das sollte ich schnell erledigen, damit das Kind nicht dort käme. Die Wehen wurden nun wirklich heftig. Nitya baute vor dem Bett Kissen für meine Knie und auf dem Bett einen Kissenberg auf, so dass ich kniend vor dem Bett mich dort aufstützen konnte. Lutz hockte rechts um die Bettecke und mußte mir während der Wehen die Hände geben, die ich fest drückte. Nitya saß seitlich von mir. So war mir das am angenehmsten.

Kurz vor 4:30 meinte Nitya, ich sollte mich nochmal in Seitenlage auf das Bett legen, damit sie mich noch mal untersuchen könnte. Kaum lag ich auf dem Bett, mit einem Bein auf Lutz Schulter, bekam ich eine Wehe, die Fruchtblase sprang. Alles wurde naß, ich fand`s wohltuend und durch den Platz, der nun endstanden war, trat eine angenehme Wehenpause ein. Nach zwei Wehen im Vierfüßlerstand versuchte ich in der Hocke mitzuschieben. Ich war nun ziemlich am Jammern und war froh, dass Nitya mich in den Wehenpausen daran erinnerte tief durchzuatmen. Sie motivierte mich damit, dass nach zwei Wehen in der Hocke bestimmt viel passiert sein würde und so war es dann auch.. Ich spürte, wie das Kind immer tiefer in mir kam. Nitya meinte zu Lutz, sie sähe die ersten Haare. Nun bückte auch er sich vor, um zu schauen. Ich war wieder im Vierfüßlerstand und spürte, wie das Köpfchen ganz ganz langsam ohne mein Zutun aus mir glitt, ich mußte es nur zulassen. Es tat nicht weh, es brannte nur ganz heiß an der gespannten Haut. Dann war der Kopf draußen, blickte Lutz an und das Baby prustete sofort Fruchtwasser aus. Und bei der nächsten Wehe plumpste das Baby dann ganz aus mir heraus.

Auf einmal waren alle Schmerzen vorbei, ich war ganz klar. Lutz sagte sofort: „Es ist ein Mädchen!“ Ich war so glücklich, wollte mein Kind sehen. Nitya reichte mir die Kleine zwischen den Beinen nach vorn und ich griff sie mir und legte sie auf meine Brust. Sie halfen mir auf`s Bett, ich hatte Marla auf mir liegen. Sie war ganz mit Käseschmiere bedeckt und hatte viele lange Haare. Und sie war gesund! Lutz kam neben mich, wir schauten unsere kleine Tochter an, sehr sehr gerührt. Ich gab sie ihm auf die Brust, während ich mich noch mal hockte, um die Nachgeburt herauszuschieben. Aber vorher noch durchtrennte Lutz die Nabelschnur, nachdem sie auspulsiert hatte. Ich war nur ganz leicht eingerissen. Nitya legte eine kleine Naht. Dann half sie mir, Marla an die Brust zu legen und sie trank sofort. Lutz fing an, Bilder zu machen. Dann maß und wog Nitya die Kleine, untersuchte sie und zog sie an. Ich zog mir ein frisches Hemd an, Lutz und Nitya machten das Bett frisch und den Rest. Ich machte meinen ersten Gang ins Bad und das ging ganz gut. Ich fühlte mich kaum erschöpft.

Ich wollte dann die Kinder im Wohnzimmer mit ihrer neuen Schwester erwarten. Wir waren gerade an der Wohnzimmertür angelangt, als wir auf Simon trafen, der gerade aufgestanden war. Nitya legte ihm das Baby sofort auf den Arm und er trug sie ins Wohnzimmer, wo wir es uns auf dem Bettsofa bequem machten. Mathis kam und legte sich neben mich. Wir alle schauten unseren Familienzuwachs an. Dann bereitete uns Simon ein Smacks-Frühstück am Sofa, Lutz rief seine Eltern an, Mathis rief meine Eltern an. Es war 7 Uhr morgens. Die Kinder gingen zur Schule, Nitya wollte nachmittags wiederkommen und Lutz und ich legten uns mit unserem Baby schlafen.

Marla ist um 4:55 geboren, sie war 56 cm groß und wog 4030 g. Sie war auch völlig unzerknittert oder verformt, sondern sofort mit ganz klaren Gesichtszügen, kein „Brocken“, sondern ganz zart und fein- und langgliedrig.

Heike

Geburtserlebnis von Dagmar

Hausgeburt bei den Füchsen

Als wir von meiner zweiten Schwangerschaft erfuhren, war uns nach der Erfahrung im Krankenhaus mit unserem ersten Sohn Tom ziemlich schnell klar, dass wir eine Alternative zur stationären Krankenhausentbindung suchen würden. Die erste Geburt, die wir ohne Begleithebamme „bestritten“, endete mit dem Einsatz der Saugglocke nachdem ein Geburtsstillstand auf Grund zu schwacher Wehentätigkeit eingetreten war. Erst im Nachhinein wurde uns klar, daß wir mit verschiedenen Geburtspositionen, Bewegung etc. und vor allem mit einer echten Betreuung durch eine Hebamme den Geburtsverlauf positiv hätten beeinflussen können. Leider fanden wir im Krankenhaus keine Unterstützung diesbezüglich. Über das Hebammennetzwerk Köln im Internet sind wir auf Nitya aufmerksam geworden. Dass sie ausschliesslich Hausgeburten betreut, wurde uns erst später klar. Eine Hausgeburt war bei uns nie ein Thema gewesen; wir waren uns lediglich einig darüber, dass ich nicht länger als für eine ambulante Entbindung nötig ist im Krankenhaus bleiben wollte. In unserem ersten Gespräch hat uns Nitya jedoch ziemlich schnell von den Möglichkeiten und Vorteilen einer Hausgeburt überzeugt.

Die Hausbesuche für die Vorsorgeuntersuchungen durch Nitya habe ich sehr genossen, da stressige Arztbesuche mit unserem zweijährigen Sohn auf die notwendigen Ultraschalluntersuchungen begrenzt waren und Nitya und ich bei uns zu Hause Gelegenheit hatten uns kennenzulernen. Unser zweites Kind kündigte sich 8 Tage vor dem errechneten Termin morgens um 5.30 Uhr ziemlich plötzlich durch einen Fruchtblasensprung an. Wehen hatte ich nicht, aber da ich nicht wußte, ob das Köpfchen tief genug lag, legte ich mich bis zum Vormittag wieder ins Bett. Dann rief ich Nitya an, die vorbeikam und mir nach einer kurzen Untersuchung versicherte, dass ich aufstehen und rumlaufen konnte. In der Zwischenzeit konnte Markus sich im Büro abmelden, die Oma bitten, unseren Sohn abzuholen und ich bekam erstmal Frühstück ans Bett gebracht. Ich war ganz gelassen und freute mich, daß Nitya uns riet ein wenig spazieren zu gehen, und den wunderschönen sonnigen Wintertag zu geniessen. Nach dem Spaziergang hatte ich leichte Wehen, die aber zu Hause wieder verschwanden. Als Nitya nachmittags kam und ein CTG machte, war schon keine Wehentätigkeit mehr zu vernehmen. Erst am späten Abend gegen 22.30 Uhr nach einem weiteren ausgedehnten Spaziergang bekam ich stärkere Wehen.

Wir waren schon an diesem Tag so glücklich über unsere Entscheidung zur Hausgeburt, da wir diesen Tag ja sonst schon unnötigerweise im Krankenhaus verbracht hätten und nach einigen Stunden die Geburt künstlich eingeleitet worden wäre. Außerdem hätte ich Angst vor ewigen Muttermundabtastungen gehabt, was sehr unangenehm ist, und ohne Wehen auch überflüssig, da sich dann der Muttermund ja noch nicht öffnen kann.

Um 24 Uhr, als die Wehen regelmäßig alle 5 Minuten kamen, rief ich Nitya an. Die Wehen waren, wie bei der ersten Geburt recht kurz, nur etwa 20 Sekunden. Das reichte trotzdem um den Muttermund ganz zu öffnen, und auch beim Pressen genügten diese vergleichsweise kurzen Wehen, da ich nach der Eröffnungsphase eine hockende Position einnahm und mir die Schwerkraft half. Nitya hat mir einige Positionen gezeigt, bis ich die für mich angenehmste fand. Markus saß auf unserem Bett und ich hockte mich vor ihm fast auf dem Boden, seine Beine als Armlehnen nutzend. Nitya saß mir gegenüber. Sie hat mir sehr bei der Positionssuche geholfen und mit erst gezeigt, wie man sich einer Geburt hingeben kann, sich fallen zu lassen, Schmerzen zuzulassen, was mir persönlich vorher sehr schwer fiel. Ich war sehr glücklich, dass ich während des gesamten Geburtsverlaufs kein einziges mal liegen mußte.

Unsere Tochter plumpste um 1.22h nach drei Presswehen aus mir heraus. Sie sah gleich sehr zufrieden aus. Nitya mußte mich nicht nähen, da ich nur einen kleinen Riss hatte, der von allein schnell verheilt ist.

Falls wir ein drittes Kind bekommen, dann sicher wieder zu Hause mit Nitya!

Geburtserlebnis von Claudia

Dass Anna zu Hause geboren wurde, ist eine Folge glücklicher Zufälle.
Unsere erste Tochter wurde im Krankenhaus in Köln geboren, es gab vor dieser Geburt überhaupt keine Überlegung, das Kind woanders zu bekommen. Alle Freunde rundherum hatten ihre Kinder im Krankenhaus bekommen und waren dort zufrieden. Da wir ganz in der Nähe des Heilig-Geist-Krankenhauses wohnen (in dem wir beide auch zur Welt gekommen sind) war klar, wenn es losgeht gehen wir dort hin. Die Geburt war völlig problemlos, nach 27 Minuten im Kreißsaal war Christina geboren. Aber irgendwie fühle ich mich bis heute um diese Geburt gebracht. Es ging alles so schnell, wir waren alleine (da Feiertag und alle Kreißsäle belegt) und dann noch in einer fremden Umgebung. Auch in der Zeit nach der Geburt habe ich mich im Krankenhaus unwohl gefühlt. Mir ging es gut, lag aber im Krankenhaus und musste mich mehr oder weniger dem Krankenhausalltag anpassen. Es gab viele kleine Erlebnisse, die mich während meines Aufenthaltes im Krankenhaus gestört und geärgert haben. Am schlimmsten fand ich, dass Heribert (mein Mann) immer nur mal zu Besuch da war und ich spätestens ab abends alleine war, wie gerne hätte ich ihn immer um mich gehabt.

Als ich nun zum zweiten Mal schwanger wurde, kam kurzfristig der Gedanke, vielleicht im Geburtshaus oder zu Hause zu entbinden. Wirklich ernsthaft verfolgt haben wir diesen Gedanken jedoch nicht. Da wir ja in der Nähe des Krankenhauses wohnen, würden wir auch jetzt wieder dahin gehen. Mir war zwar klar, dass mir vieles nicht gepasst hat, aber ich war mir sicher mir nicht mehr alles gefallen zu lassen, sondern dann den Mund aufzumachen. Vieles schien uns einfacher zu sein wenn ich im Krankenhaus bin.

Meine größte Sorge war, dass ich zu Hause doch gleich wieder mit in den Haushalt einsteigen würde. Unsere große Verwandtschaft und Freundeskreis würde ich auch lieber im Krankenhaus empfangen als zu Hause, wo ich dann vielleicht das Gefühl habe, den Besuch bewirten zu müssen… .

Im Internet war ich dann auf der Suche nach einer anderen Art der Geburtsvorbereitung und Wochenbettbertreuung in Köln und stieß auf die Seite von Nitya. Als ich dort vom Aquabalancing-Paarkurs gelesen habe, war mir gleich klar, dass das die von uns gesuchte entspannende Geburtsvorbereitung ist. Ich nahm Kontakt zu Nitya auf, um mich für diesen Kurs anzumelden. Wir kamen ins Gespräch, auch über meine erste Schwangerschaft und Geburt und dann fragte sie mich, warum ich eigentlich im Krankenhaus entbinden wollte. Diese Frage hat mich sehr aufgewühlt und ich merkte, sie hat Recht – warum eigentlich ins Krankenhaus? Ich konnte ihr keine wirkliche Antwort darauf geben. Daraufhin vereinbarte ich einen Termin zu einem Gespräch mit ihr.

Als ich Heribert von dem Telefonat erzählte, war er gar nicht begeistert, dass ich mich nun ernsthaft mit dem Gedanken an eine Hausgeburt beschäftigte. Am Abend vor dem Gespräch mit Nitya sagte mir Heribert, dass er gerne von jemandem mit Erfahrung mehr darüber hören möchte, für ihn aber eine Hausgeburt eigentlich überhaupt nicht in Frage kommen würde. Für mich war klar, eine Hausgeburt mache ich nur, wenn Heribert auch voll und ganz dahinter steht. Unser Fazit an diesem Abend war also, uns Nitya anzuhören, aber jedenfalls das Kind im Krankenhaus zu bekommen.

Dann kam Nitya!

Sie wollte erstmal wissen, warum wir ins Krankenhaus gehen wollen. Schon als wir unsere vermeintlichen Argumente gegen die Hausgeburt aussprachen, merkten wir, dass das nicht wirklich Argumente dagegen sind. Sie wollte am Ende des Gespräches gar nicht wissen, ob wir uns dafür oder dagegen entscheiden, aber als sie unsere Wohnung verlassen hatte, sagte Heribert sofort, dass eigentlich keine Argumente gegen eine Hausgeburt sprechen und die das Richtige für uns sei. Ich empfand genauso.

Nitya hat uns nicht mit Worten überzeugt, sondern es war ihre Person, ihre Ruhe und Selbstverständlichkeit. Wir fühlten uns von ihr sofort verstanden und wir spürten, dass wir bei ihr in guten Händen sind.

Von da an (26. Schwangerschaftswoche) habe ich dann die Vorsorgeuntersuchungen auch bei Nitya gemacht.

Meine Schwangerschaft verlief weiter völlig komplikationslos. Das einzige, was mir Schmerzen bereitete, war meine Symphyse, die sich sehr aufgelockert hat. Von Schwangerschaftswoche zu Schwangerschaftswoche nahmen die Beschwerden zu. Ich konnte kaum noch laufen, und Drehen im Bett war fast unmöglich.

Die größte Erleichterung habe ich beim Aquabalancing-Kurs erfahren. Während der Zeit im Wasser war ich völlig beschwerdefrei und das hielt bis zum nächsten Tag. Dieses völlige Abtauchen in eine „andere Welt“ hat uns beiden sehr gut getan. Für ein paar Stunden sind wir wirklich zur Ruhe und uns selbst gekommen. Leider konnten wir nur 3 der 4 Sitzungen besuchen, da unsere zweite Tochter früher kam und uns dadurch um die 4. Sitzung gebracht hat.

Dafür durften wir eine wunderschöne, entspannte und sehr schnelle Geburt erleben.

Zwei Wochen vor dem errechneten Termin merkte ich beim Frühstück ein leichtes Ziehen. In den Tagen zuvor hatte ich das auch hin und wieder, daher dachte ich mir nichts dabei. Als ich Heribert sagte, dass sich nun regelmäßig etwas tut, hatte ich Wehen im Abstand von 6 Minuten. Da bei der ersten Geburt auch alles schon so schnell gegangen ist, wollte Heribert, dass ich Nitya anrufe. Ich wollte aber noch gar nicht anrufen, da die Wehen mir noch zu „harmlos“ waren. Auf Drängen von Heribert habe ich sie dann doch um 10.30 Uhr angerufen, was auch gut war, sonst wäre sie vielleicht zur Geburt nicht da gewesen. Um 11.00 Uhr war Nitya dann bei uns. Sie hat mich untersucht und dann haben wir kontrolliert, ob alles für die Geburt bereit lag. Heribert kochte für uns Kaffee und Tee und wir wollten es uns gerade gemütlich machen, da fragte mich Nitya, ob es sein könnte, dass die Abstände kürzer werden, da ich anders atmen würde. Da musste ich auch schon pressen und die Fruchtblase platzte. Nitya hat nur noch schnell Heribert gerufen, der mal eben im Keller war um noch Eimer und Müllbeutel zu holen. Es blieb gerade noch Zeit, mir die Hose auszuziehen und mich auf die Matte zu bringen, dann war unsere kleine Anna Luisa auch schon auf der Welt, pünktlich zum 12.00 Uhr mittags-Läuten der Kirchenglocken (na gut, genau genommen war es 12.02 Uhr).

Nachdem Nitya mich und Anna versorgt hatte, haben wir es uns in unserem Bett gemütlich gemacht. Es war so schön, in den eigenen vier Wänden zu sein und sich dort frei bewegen zu können.

Diese Geburt ging nun noch viel schneller als die erste, aber es war trotzdem ein intensives Erlebnis und ich habe diesmal nicht das Gefühl, die Geburt nicht mitbekommen zu haben. Im Gegenteil, ich habe das Gefühl, es ganz alleine geschafft zu haben mit der großen Stütze und Hilfe von Nitya.

Man kann die beiden Geburten und die Zeit danach kaum mit einander vergleichen, es liegen Welten dazwischen. Wir können jedem nur empfehlen, sich auf eine Hausgeburt einzulassen!
Wir sind sehr glücklich, Nitya begegnet zu sein, und für uns steht fest, dass wir bei einem nächsten Kind auf jeden Fall wieder eine Hausgeburt machen werden.
Claudia und Heribert

Geburtserlebnis von Antje

Lieber Jasper,
als hättest Du es geahnt, dass ich mir einen kleinen Schützen wünsche, hast Du bis zum 23.November mit Deiner Ankunft gewartet. Nun möchte ich Dir erzählen, wie Du in den Schoß Deiner Familie hineingeboren worden bist. Um kurz nach 24 Uhr weckt mich ein vorzeitiger Blasensprung. Es fühlt sich an, als ob eine kleine Seifenblase zerplatzt. Ich gehe hoch zu Deinem Papa und sage ihm, dass es losgeht.

Obwohl Du unser drittes Kind bist, sind wir dennoch ganz schön aufgeregt. Vielleicht auch deshalb, weil wir wissen, dass Du zu Hause auf die Welt kommen sollst. Wir kuscheln erst noch eine Weile und immer wieder fließt mir das warme Fruchtwasser die Beine entlang. Nach kurzer Zeit setzen auch schon die Wehen ein. Jetzt ruft Papa unsere Hebamme in Köln, die Nitya an, die 15 Minuten später mit mehreren Taschen bepackt vor unserer Haustür steht.

Nachdem sie mich vaginal untersucht und mir mitteilt ,dass der Muttermund schön weich und 3 cm geöffnet ist, machen die Zwei im Wohnzimmer alles bereit. Als ich runter gehen möchte, kommt mir Dein ganz großer Bruder schlaftrunken entgegen und will schon aufstehen. Als ob er irgendetwas spüren würde. Aber er ist eigentlich nicht richtig wach. Ich bringe ihn wieder ins Bett, streichele ihn und sage: „Du musst noch schön schlafen“ und Kilian antwortet: „Weisst Du, ich dachte, es wäre schon morgen“. Jetzt schläft er wieder und ich gehe zufrieden ins Wohnzimmer. Ich bin ganz gespannt und denke „so, jetzt dauert es nicht mehr lange und dann kommst Du“. Im Raum liegt eine große Matratze und Nitya hat ihre Sachen auf dem Schreibtisch ausgebreitet. Auch für den Notfall ist sie gerüstet. Das gibt uns viel Sicherheit.

Die Wehen kommen regelmäßig ca. alle 10 min. und sind gut auszuhalten. Die nächsten 1-1,5 Std. verbringen wir in schon fast gemütlicher Stimmung, erzählen und lachen. Ich gehe auf und ab und kann die Wehen gut veratmen. Zwischendurch nehme ich ein warmes Bad,was eine Zeit lang eine wunderbare Entspannung ist.Nitya untersucht mich noch einmal und meint dann, es ginge alles seinen normalen Weg. Sie möchte sich jetzt noch ein wenig ausruhen, bevor es richtig losgeht.

So verbringen Dein Papa und ich, vielleicht eine halbe bis dreiviertel Stunde zu zweit. (Für mich ist es schwierig ein zeitliches Gefühl zu finden, weil ich gar nicht auf die Uhr schaue.)

Die Wehen werden heftiger. Wir sind eine ganze Zeit in der Küche. Ich stütze mich auf die Arbeitsplatte und versuche die Wehen so gut wie möglich zu veratmen. Es tut weh, so unglaublich weh und es sind viele Rückenwehen dabei. Dein Papa ist die ganze Zeit bei mir, streichelt und massiert mich. Mein Steiss fühlt sich an, als ob er brennt und ich glaube meine Wirbelsäule bricht auseinander. Ich hatte ganz vergessen wie schmerzhaft es ist, sein Kind auf die Welt zu bringen. Ich bitte Papa Nitya zu holen, die aber schon auf dem Weg zu uns ist. Sie streichelt mich und spricht mir Mut zu. „Versuche mitzuschieben, schieb in die Wehe hinein“. Unter großen Schmerzen versuche ich Dich in den Geburtskanal hineinzuschieben.

Ich kann nicht so recht und ich glaube Du hast auch so Deine Schwierigkeiten den Weg zu finden. Nitya hört Deine Herztöne ab. Ich muss mir keine Sorgen machen, es geht Dir gut. Auch fühlt sie noch mal den Muttermund und sagt, dass alles schön weich ist. Ich könnte heulen, warum tu ich mich immer so schwer mit der Entbindung!

Ich liege eine ganze Zeit auf der Matratze im Wohnzimmer. Auch jetzt ist Dein Papa immer da. In den Wehen drücke ich seine Hand heftig. Nitya gibt ihm Tipps, wie er mir noch helfen kann und sie achtet darauf, dass ich nicht zu lange in einer Stellung liege. Ich veratme die Wehen, die in immer kürzeren Abständen kommen und weiter an Intensität zunehmen. Und ich versuche Dich in den Geburtskanal zu schieben. Ich fühle mich so erschöpft, die Grippe, und der wenige Schlaf der Nacht lassen meine Kräfte noch mehr schwinden. Ich habe Angst. Angst, dass ich es nicht mehr schaffe. “ Ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr, „sage ich. Doch beide erwiedern: „Du schaffst das, Du machst das ganz toll.“ Auf Nitya`s Rat hin lege ich mich auf die Seite und versuche die Wehen ganz ruhig wegzuatmen, nicht mitzuschieben, mir ein paar „Pausen“ zu gönnen. Sie hält meine Hand und sagt: „Bald hast Du es geschafft.“ So haben wir dann zu dritt die Nacht verbracht. Nitya, Dein Papa und ich.

Irgendwann, in den frühen Morgenstunden geht Nitya mit mir ins Badezimmer. Sie fragt mich, ob ich mich vielleicht mal auf die Toilettenbrille setzen möchte, um meinem Steißbeinschmerz Erleichterung zu verschaffen. Und es tut wirklich gut. Wo ist Dein Papa, denn ich bin mit Nitya alleine. Sie sagt, dass Kilian runtergekommen ist und gefragt hat was los sei. Jetzt kümmert er sich erst mal um die „großen Jungs“.

Obwohl das Badezimmer aufgeheizt ist, friere ich. Nitya lässt Wasser in die Wanne laufen und bei dem Anblick der Badewanne freue ich mich richtig. Ganz vorsichtig steige ich in das warme Wasser und will mich setzen. Genau da kommt eine sehr heftige Wehe, die ich nicht richtig veratmen kann und ich verspanne mich ganz stark. Eigentlich möchte ich sofort wieder raus aber Nitya hilft mir eine einigermaßen bequeme Position zu finden und gibt mir etwas, zum inhalieren, was mir längere Wehenpausen verschafft. Wie wohltuend! Zwischenzeitlich schlummere ich immer wieder weg aber die nächste Wehe holt mich mit voller Wucht zurück. Irgendwann kommt Dein Papa wieder und hält für den Rest der Zeit meine Hand. Wie schön sie zu spüren. Ganz viele Wehen veratme ich jetzt nur noch. Es ist still, keiner sagt etwas. Ich fühle mich kraftlos, aber Dir geht es gut. Nitya hört immer wieder Deine Herztöne ab und sagt dass alles in Ordnung ist. Und dann merke ich, dass sich da unten etwas tut. Nitya untersucht noch mal und meint ganz freudig: „Ich fühle das Köpfchen, jetzt kann es nicht mehr lange dauern. Das gibt mir neuen Mut!“

Dann kommen die Presswehen und ich schiebe mit aller Kraft, die ich habe mit. Ich drücke so sehr, wie ich kann. „Ruhig atmen“ höre ich wie aus weiter Ferne und ich versuche ganz ruhig zu atmen und die Augen geschlossen zu halten. Eine Presswehe kommt nach der nächsten. Dann sieht Nitya auf einmal die Haare. Gemeinsam spornen sie mich an weiterzumachen. Noch 2-3 Presswehen und plötzlich spüre ich, wie Du kleines Menschlein aus mir herausgleitest. Wie ein Fisch ins Wasser. Jetzt ist es 7.04 Uhr morgens. Ich bin überglücklich, dass Du da bist. Du liegst gerade auf meinem Bauch, da kommen Kilian, Malte und auch meine Freundin Heike ins Badezimmer.

Die nächsten Minuten gehören zu den schönsten in meinem Leben. Alle sind ganz still und schauen auf Dich, dass neue Leben. Und weißt Du was, kleiner Jasper? Ich wusste erst gar nicht, ob du ein Junge oder ein Mädchen bist. Malte ist der Erste der sagt:“ Mama, unser Baby ist ein Bruder.“ Es ist ein ganz heiliger Moment! Wir sind alle da, um dich zu begrüßen. Willkommen auf der Welt, Du kleine Maus.

Nach einer kleinen Weile gehe ich gestützt von Deinem Papa und mit Dir auf dem Arm in unser Bett. Nitya kommt und fängt mit der Nachbehandlung an. Ich werde mit einem Stich genäht und auch sonst gut versorgt. Kilian und Malte liegen neben mir und bewundern ihren neuen Bruder. Nachdem Nitya mit mir fertig ist, untersucht und versorgt sie Dich und ich habe das Gefühl wir sind alle in guten Händen.

Du bist mein dritter Sohn und ich bin ganz verliebt in Dich!

Deine Mama

Geburtserlebnis von Nadja

Nulldreinullfünfnullfünf und es wurde „Licht“

Ein Bauch zum Platzen gespannt, Füße voller Wasser, zwei erwartungsvolle Menschen und eine Hebamme. In dieser Konstellation trafen wir uns an einem Montag Abend im Mai nach einem sonnigen, warmen Tag. Nitya kam vorbei, um die Vorsorge und die Akupunkturbehandlung zu machen, abends um Sieben. Sie machte sich ein wenig Sorgen wegen meines Gesamtzustandes und wollte deshalb, dass wir die Wehen am nächsten Morgen mit einem Cocktail einladen. Die Zutaten für diesen Cocktail erforderten einen Gang zur Notapotheke für das Rizinusöl, und nachdem Nitya meinen Muttermund massiert hatte, gingen Miguel und ich los. Simon und Lena, die noch zu Besuch waren, sollten mich das letzte Mal mit dickem Bauch sehen, denn offenbar hatte die Stimulation am Muttermund bereits ausgereicht: schon während des Spaziergangs gingen die Wehen los und wurden auch recht schnell stärker. Da ich ja noch nicht wusste, was Wehen überhaupt sind, wartete ich erst mal ab bis diese menstruationsartigen Schmerzen fast unerträglich wurden. Der Anruf bei Nitya war dann auch eher zaghaft aber wohl angebracht, denn sie kam recht bald mit ihrem Hebammenkoffer vorbei und baute sich ihren Arbeitsplatz auf. Das alles nahm ich nur sehr am Rande wahr, denn die Schmerzen waren doch unerwartet stark und ich bevorzugte es, in der heißen Badewanne zu bleiben.

Die Wehen kamen sehr schnell hintereinander, so dass ich kaum Zeit hatte, mich von der letzen zu erholen. Das kostete mich viel Energie und die Erschöpfung fühlte sich recht nah an. Miguel war die ganze Zeit bei mir, was mir sehr wichtig war und mir Kraft gab. Trotzdem durfte er weder meine Hand halten noch mich anfassen. Ruhig und mitfühlend assistierte er Nitya und half mir durch seine gute Energie und aufmerksame Präsenz. Irgendwann wollte ich wieder raus aus der Wanne, aber an Land war das Wehen auch nicht besser und ich ging wieder ins Wasser, so wie ich es zwei-drei mal vorher schon getan hatte. Draußen an Land aber platze plötzlich plätschernd die Fruchtblase, unerwartet und laut. Wahnsinn!

„Super! Darauf habe ich gewartet“, sagte Nitya, und ich wusste: jetzt geht’s los! Die Pressphase hatte sich angekündigt und auch das Tier in mir: eine geballte Ladung Kraft spürte ich in meinem Körper, einen Drang, alles rauszulassen, was ich in mir trug. Eine Transformation in ein Säugetier, das gebären will und muss. Ich wollte nur noch mitschieben. Nitya ließ mich nach einer Weile die Position wechseln, vom Vierfüßler auf die Seitenlage, um dort ein paar Wehen zu veratmen, was schonender für das Baby war, jedoch unangenehmer für mich. Danach ging ich wieder in eine andere Stellung : Miguel auf dem Gymnastikball hinter mir, mich stützend und haltend und ich in der Hocke davor auf die Schwerkraft hoffend. Und so kam dann auch, Wehe für Wehe und wohltuender-Kaffewaschlappen-auf-Damm-von-Nitya für wohltuender-Kaffewaschlappen-auf-Damm-von-Nitya, die kleine Luz herausgeflutscht, ganz still und leise mit einem schluchzenden Schrei von mir und Tränen von Miguel voller Alles. Unser Licht wurde mit dem ersten Licht des Tages um 6.41 Uhr geboren. Und dann ein kleiner Schrei sonst Stille. Das Baby auf meinem Bauch, wir immer noch verbunden durch die Nabelschnur, ich in Miguels Armen und dann dieser Blick von dem neuen Wesen direkt in meine Augen, dann in die von Miguel und wieder zurück: intensiv, dunkel, forschend und neugierig – einfach irre. Dann machte sie sich daran, meine Brustwarze zu finden. Oder war es davor? ich weiß es nicht mehr genau. In dieser Nacht kamen wohl alle Gefühle zusammen, alles auf einmal oder hintereinander oder irgendwie aber auf jeden Fall intensiv. Verwirrung, Erschöpfung, Glück, Traurigkeit … ich glaube, dass sich alles in dir vereint, wenn das Universum durch dich einen neuen Menschen schickt.

Jetzt sind schon fast 12 Wochen vorbei geeilt, Luz ist ein Sonnenschein, lacht mit Ton, schläft mittlerweile durch und entwickelt sich prächtig. Jeder Tag mit ihr ist neu, ähnlich und doch anders. Miguel und ich sind glücklich, sie bei uns zu haben, jeden Augenblick. Luz ist ein Geschenk, bei dem Nitya uns half, es behutsam zu verpacken, es zu tragen, es auszupacken und auszuprobieren. Es war Nitya, die mir während der Geburt Kraft gab. Durch einen lieben Blick, ihr Mitgefühl, durch ihre wunderbaren Hände, die so großartig arbeiten. Ich freue mich schon jetzt darauf, Luz später von ihrer Geburt und von Nitya zu erzählen.***

  • Liebe Frauen,
    Ich bin bis 27.6. beruflich nicht persönlich erreichbar. Freie Kapazitäten für Rundumbetreuung mit Hausgeburtswunsch sind z.Zt. ab der letzten Januarwoche 2023 vorhanden. Wenn es um Hausgeburtsanfragen geht, versuche ich mich auch schon vorher mal per Mail bei Euch zu melden.
    Herzliche Grüße,
    Nitya Runte