Erfahrungsbericht / Geburtserlebnis Rosi - Eltern mit mithilfe von Hebamme Nitya aus Köln zuhause geborenen Kind

...heute bist Du einen Tag alt, kleiner Junge...gestern an einem Sonntag im November haben wir Dich geboren, an einem ruhigen Nachmittag, nach unserem Spaziergang im Wald.

Morgens gegen 6:30 h bin ich wach geworden. Ich war guter Stimmung und wußte sofort, dass Du nun geboren wirst, worauf ich sehr gespannt war. Bei mir macht sich dieses glückliche Gefühl der nahen Ankunft breit und ich fühle mich ganz aktiv. Jogi und Yolanda kaufen Brötchen, ich stehe zum allerletzten Male mit diesem großen, strammen Bauch unter der Dusche und fühle dieses Kind in mir, noch zappelst Du dort vor Dich hin und wieder und wieder stelle ich mir vor, was für ein Kind Du wohl sein wirst, welches Leben Dich erwartet und welchen Weg Du gehen wirst. Ich weiß, dass Du in den nächsten Stunden meinem Körper entweichen wirst, in dem ich Dich in den letzten Monaten so stolz herumgetragen habe.

Bei unserem letzten Familienfrühstück zu dritt an diesem Morgen fühle ich mich Dir näher als Jogi und Yolanda - es fühlt sich so an, als würden wir bald gemeinsam abtauchen auf diese Reise Geburt, die wir mit unseren Kräften durchstehen werden. Ich freue mich sehr darauf. Wir rufen Antje und Nitya an und beginnen gemeinsam mit Yolanda die letzten Vorbereitungen für diesen „heiligen Akt“. Und indem wir Handtücher auf Heizungen plazieren, Folien über unser Bett ziehen und die frische Geburtswäsche aus dem Schrank holen, wird deutlich, dass diese Reise für uns alle begonnen hat.

Antje bringt Yolanda zu Opa und Oma und dieser Abschied von ihr ist heute noch melancholischer und bedeutungsschwerer, es ist dieser Abschied von der Kleinfamilie, in der wir uns in den vergangenen 1 1/2 Jahren so sehr beheimatet haben und in der wir alle einen glücklichen Platz hatten.

Meine Wehen kommen regelmäßig, aber nicht allzu heftig und so entschließen wir uns noch zu einem kleinen Spaziergang in den Wald. Ich erinnere mich gut, wie sehr die Wehen damals bei Yolanda dadurch angetrieben wurden und auch diesmal erlebe ich diesen Spaziergang wie einen aktiven Auftakt zum finalen Part.

Mein kugelrunder Bauch unter meiner Jacke ist mir in den vergangenen Monaten so vertraut geworden, das Gewicht, mein veränderter Gang. Jede Woche unterwegs erinnert mich freudig an diesen baldigen Abschied und trägt meine Gefühle nahe an dieses Kind heran. Die Luft ist sauber und sonnig und ganz bewußt will ich mir die Stimmung dieses Tages vergegenwärtigen - alles wird morgen anders sein!Nach unserem Spaziergang wird alles ganz eindeutig; der Muttermund ist ca.8 cm eröffnet und die Geburtsgesellschaft wird dann geschäftig.Nitya öffnet ihren Koffer, bereitet Sachen vor, die sie für die Ankunft braucht, fragt nach warmen Tüchern und Lampe. Antje und Jogi rollen Folie auf der Erde aus, legen Tücher darauf, ich beobachte dies alles auf meinem Bett hockend und fühle mich gut aufgehoben... alle sorgen sich und so umgibt mich dieses Gefühl bei dieser bevorstehenden Kraftanstrengung, nicht alleine sein zu müssen, sondern Begleitung zu haben und bestimmte Dinge einfach abgeben zu können.

Es ist dieses Gefühl von totaler Kraft tief in mir drin und nie sonst fühle ich mich so lebendig und aktiv, es ist dieser Raum zwischen Himmel und Hölle, der sonst verschlossen ist und den ich nun betreten kann. Eine Welle von Kraft überflutet mich - der Kopf tritt heraus, ich bin überrascht, dass alles schon so schnell geht.

Ich verändere meine Position, um unser Kind auf die Welt zu schieben und die letzten Presswehen sind fast schon lustvoll und leidenschaftlich, ich halte Antjes Hand, spüre Jogis Wärme an meiner Seite, Nityas Nähe, die mir viel Sicherheit gibt und mit einem befreienden Schwall schlüpft der Junge heraus, plumpst wie ein Fisch auf Land, zappelt und brabbelt und alles ist still und heilig.Da liegt dieses Wesen vor uns, noch eingehüllt und umschlungen von der Zeit zuvor.

Klein, weich und zusammengefaltet. Ein Meer voller Gefühle, Eindrücke und Bilder umschlingt mich und fast traue ich mich nicht, Dich hochzunehmen, so unglaublich scheint mir Deine Anwesenheit. Ein ruhiger Fluß entspringt, wir begrüßen Dich, berühren Dich und uns, wortlos von diesem kleinen Wunder.

Lange spüre ich Deine Wärme auf mir, die pulsierende Nabelschnur. Alles ist gut, denn wir haben es vollbracht - ewige Zuversicht scheint sich in mir breit zu machen und dieses Leben und diese Welt hält für einen Bruchteil den Atem an.

Rosi
zurück << mehr Berichte lesen >> vor zur Übersicht